Zu viel Natur – ein Urlaubsbericht

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Die Fliege – das münsterländische Wappentier

Man nehme einen alten Gutshof mit Sandsteinfassade und grob gepflasterten Innenhof, eingebettet in die weiten Ebenen des Münsterlandes, umgeben von fruchtbaren Feldern und saftigen Wiesen, von der Außenwelt abgeschottet durch majestätisch aufragende, alte Bäume. Das Korn ist reif zur Ernte, die Pferde spielen auf den Koppeln, die Sonne scheint. Ein Bild wie aus dem Katalog. In diese Idylle platziere man einen einen Menschen, der den größten Teil seines Lebens in einer städtischen Umgebung verbracht hat.
Kann das funktionieren? Kann man einen Menschen in eine Umgebung verpflanzen, die so gar nicht seinem Naturell entspricht? Um es kurz zu machen, es geht, mit einigen Abstrichen.
Da ist zu aller erst einmal die olfaktorische Herausforderung, die so ein Gutshof mit sich bringt, besonders, wenn er noch aktiv bewirtschaftet wird. Was manch einer mit dem Begriff „frische Landluft“ romantisch verklären mag, ist für ein Stadtkind eine nur schwer zu meisternde Herausforderung.
Dicht gefolgt von diesen Einschränkungen des Geruchssinns sind weitere Begleiterscheinungen eines Betriebs, der sich auf die Haltung von  Schweinen spezialisiert hat. Die allgegenwärtigen Insekten, besonders die Stechfliegen, haben nicht nur die Unart durch ihre beständige Anwesenheit gehörig zu nerven. Ihre viel nachhaltigere Eigenschaft ist es, sämtliche Säugetiere ihrer Umgebung stechender Weise so zu malträtieren, dass man davon eine mehrere Tage andauernde, stark schwellende und einen kaum zu bändigenden Juckzreiz hervorrufende Erinnerung an die Begegnung mit diesen Gutshofbewohner zurück behält.
Und dann ist da das Thema Infrastruktur. Was man in einer städtisch geprägten Umgebung bequem zu Fuß erledigen kann, bedarf in den unendlichen Weiten des Münsterlandes einer penibel geplanten Expedition. Egal ob Lebensmittel oder Medikamente. Für alles ist die Nutzung eines fahrbaren Untersatzes notwendig. Und auch die recht einfache Bestellung bei einem Pizza-Bringdienst gestaltet sich in diesen Regionen kompliziert. Wartezeiten von bis zu einer Stunde sind da durchaus im Bereich des Möglichen. Eine gewissenhafte Planung des Alltags ist daher oberstes Gebot. Kleine Fehler bei der Vorratshaltung können schwerwiegende Auswirkungen haben.

All diese Einschränkungen kann man für die kurze Dauer eines Sommerurlaubs ertragen. Die Kinder haben Platz zum Spielen, das hofeigene Schwimmbecken bietet in der sommerlichen Hitze die notwendige Erfrischung und die so ganz andere Umgebung ist eine echte Abwechslung zu dem, was man Alltag nennt.
Wirklich schwer wiegt dagegen die Tatsache, dass die Verbindung zu dem Teil der Welt, den unsere Bundeskanzlerin gerne als Neuland bezeichnet, deutlich zu klein dimensioniert ist. Das sind dann Einschränkungen, die für ein Stadtkind nur schwer zu ertragen sind.

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