Über die Ehe

Durch einen Artikel auf der Enthüllungsplattform theoleaks bin ich inspiriert worden neu über die Ehe im Allgemeinen und meine eigene im Besonderen nachzudenken. Ist die Ehe noch zeitgemäß? Gibt es inzwischen nicht sinnvollere Modelle? Und überhaupt, was bringt mir persönlich die Ehe?

Eine nüchterne Bestandsaufnahme zeigt schnell die Probleme dieses Konstrukts des Zusammenlebens auf. Man(n) ist nicht mehr Herr über sein eigenes Leben, Entscheidungen werden gemeinschaftlich getroffen, was nicht nur das Zeitmanagement angeht, sondern auch das Geld, die Farbe der Wohnzimmerwand, des Essens, der Gesprächsthemen und des abendlichen Fernsehprogramms, und wer jemals Downton Abbey sehen musste, der weiß wovon ich rede. Freiheit ist also nicht gerade der Aspekt der auf der Pro-Seite der Aufstellung steht. Und die Kosten? Da wird Geld für völlig sinnlose Dinge ausgegeben. Obst, Gemüse, Hygieneartikel, Dekokram und was Frauen sonst alles noch so für wichtig halten. Dafür muss man jede halbwegs wichtige Investition wie das Sky Sport Abo, den 4k-Fernseher und den Massage-Fernsehsessel schwer in langwierigen Diskussionen erstreiten. Man darf nicht mehr anderen Frauen hinterher gucken und ein Abend mit den Kumpels in der Kneipe gibt es nur noch nach intensiven Verhandlungen und im Tausch gegen einen Besuch einer modernen Ballettinterpretation von Stolz und Vorurteil, choreographiert durch einen angesagten japanischen Choreographen zu live dargebrachtem mongolischen Kehlkopfgesang. Da überlegt man sich schon, ob die Flasche Bier zu Hause, bei einer Folge Traumschiff, nicht doch die bessere Alternative ist.

Was steht denn nun auf der Pro-Seite der Ehe. Gekochtes Essen, gewaschene Wäsche, Sex (und auch diese Dinge sind heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr). Das war es dann auch. Kurz gesagt, es spricht für den modernen Mann nicht viel für die Ehe.

Ich dachte da an ein viel fortschrittlicheres Modell, das in Großbritannien unter dem Titel Norwegen-Plus diskutiert wird. Ich lasse mich von meiner Frau scheiden und verhandle danach über eine eingeschränkte Fortführung unserer Beziehung. Ich kann über mein Geld und meine Ernährung frei bestimmen, wohne aber weiter mit ihr unter einem Dach, werde von ihr bekocht und bewaschen und habe auch weiter Recht auf regelmäßigen Sex. Außerdem kümmert sie sich um die Kinder und die lästige Steuererklärung. Kurz gesagt: Ich habe alle Vorteile einer bürgerlichen Ehe ohne die Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.

Mal sehen wie meine Frau auf diesen revolutionären Vorschlag reagiert.

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