Über das Tanzen. Heute: Tango Argentino

Señor Tango

By OskyAve (Flickr: _DSC3101) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

„Der Tango ist der vertikale Ausdruck eines horizontalen Verlangens.“ Bernhard Shaw

Dieser kurze, fast schon unschuldig daher kommende Satz drückt die Grundhaltung aus, die mir in meiner Jugend zum Thema Tanzen, und gemeint ist hier der Paartanz, beigebracht worden ist. Der Paartanz hat einzig und allein das Ziel, dass die sich miteinander zum Rhythmus der Musik bewegenden Menschen, durch die intime Nähe, den Schweiß und die erotisch aufgeladene Atmosphäre stimuliert, am Ende des Abends den Coitus vollziehen. Der Tango mag dabei sinnbildlich für alle Formen des Paartanzes stehen, scheint aber, aufgrund seiner Herkunft, den dunklen und verrauchten Spelunken Südamerikas, besonders geeignet zu sein, Menschen zu einem sexuell ausschweifendem Lebensstil zu verführen. Nicht umsonst texteten die Brüder der christlichen Musikgruppe „nimmzwei“ in ihrem tiefgründigen Lied „Christen müssen artig sein“ die uns allen wohl bekannte Zeile

… ein Bein, das sich zum Tanze regt, wird im Himmel abgesägt.

Ja, in diesem Bewusstsein bin ich aufgewachsen, dass es sich für einen moralisch korrekten Christenjungen nicht schickt Tanzveranstaltungen jeglicher Art aufzusuchen.

Jetzt muss ich aber offen eingestehen, dass mein Leben inzwischen nicht mehr so geradlinig verläuft. Ich bin abgekommen von meiner Väter Wege und habe mich in die Hände professioneller Tango-Lehrer begeben und nicht nur ich tue es, nein, ich habe auch meine eigene Ehefrau dazu verführt, indem ich ihr einen Tango-Kurs für Anfänger zu ihrem Geburtstag geschenkt habe.

Was hat mich zu dieser Abkehr bewogen?

Die Tatsache, dass der Kurs auf dem geheiligten Parkett der evangelischen Stadtmission in Düsseldorf stattfindet, mag man nur als eine Ausreden ansehen und so muss ich gestehen, dass mir der Veranstaltungsort erst mit der ersten Stunde bewusst geworden ist. Nein, ich habe mich von anderen Motiven hinreißen lassen, Motiven, die auf den ersten Blick löblich erscheinen, aber nicht davon ablenken dürfen, dass ich damit all das über Bord geworfen habe, was ich seit frühester Jugend gelernt und gelebt habe. Ich wollte meiner Frau einen Gefallen tun (das Thema „Frau, Frucht, Schlange“ lasse ich jetzt einmal unberührt).

Die ersten Stunden dieses Kurses haben nun mein Denken über den Paartanz im Allgemeinen und den Tango im Besonderen verändert.

Beim Paartanz geht es ja um die gemeinsame Bewegung von zwei Menschen, im konkreten Fall sind es ein Mann (ich) und eine Frau (meine Ehefrau). Es geht also um eine Gemeinschaft von Menschen und darum zusammen ein Ziel zu erreichen. Es braucht Regeln für diese Art des Zusammenseins. Im Tango sind diese Regeln so einfach wie effektiv. Der Mann führt und achtet darauf, dass die Frau nicht von einem anderen Paar über den Haufen getanzt wird.

In der Bibel gibt es ein ähnlich gestricktes Beispiel. Im Brief des Paulus an die Epheser, im fünften Kapitel, gibt es die sogenannte christliche Haustafel. In diesem, häufig völlig zu unrecht diffamierten Text, wird die Frau aufgefordert sich ihrem Mann unterzuordnen und der Mann seine Frau zu lieben. Nichts anderes tun meine Frau und ich, wenn wir Tango tanzen. Ich, als Mann, führe. Diese Aufgabe ist Lust und Last zugleich. Das Führen beim Tango bedeutet nicht nur die Frau möglichst kunstvoll durch den Saal zu dirigieren, sonder auch Verantwortung zu übernehmen. Die Frau, mit dem Rücken zur Tanzrichtung, kann sich ganz der Musik und dem Tanz hingeben und braucht sich um nichts weiter zu kümmern, als auf die Hilfestellungen (die Führung) ihres Tanzpartners einzugehen, während der Mann die Last der Figurenauswahl, des Tempos und der Kollisionsvermeidung mit Wänden, Möbeln und anderen Tanzpaaren trägt. Nichts anderes schreibt Paulus. Mann, sorge für die Frau. Frau, lass dich von deinem Mann durch die Tanzsäle des Lebens führen, mach die Augen zu und genieße es.

Ich, für meinen Teil, würde mich nur zu gerne mal in die Rolle der Frau zurückziehen. So aber bin ich nach 90 Minuten Tango-Kurs mit meinen körperlichen und mentalen Kräften am Ende, geschafft von der körperlichen Betätigung, dauerhaft in Bewegung zu sein und von der mentalen Belastung, die Verantwortung für das körperliche Wohlergehen meiner Tanzpartnerin zu tragen.

In diesem Sinne ist der Paartanz eine zutiefst biblische Form der körperlichen Betätigung, die dem Mann hilft, seine ihm von Gott zugewiesene Rolle auszufüllen und der Frau sich wieder bewusst zu machen welches große Geschenk Gott ihr mit ihrem Partner gemacht hat.

Halleluja.

2 comments for “Über das Tanzen. Heute: Tango Argentino

  1. Herbert Becherer
    18. Februar 2016 at 14:20

    Lieber Sohn. Ich bin entsetzt. All die guten Dinge die wir dir beigebracht haben so über den Haufen zu werfen und diesen lustvollen treiben nachzugeben. Wo ist deine gute Kinderstube geblieben die wir in mühevoller Kleinarbeit versucht haben dir beizubringen. Ich bin froh das deine Großmutter das nicht mehr mitbekommt. Ich hoffe, daß sie im Himmel ein gutes Wort für dich einlegt damit du die Ewigkeit nicht
    Beinlos erleben mußt.

  2. derLobpreisleiter
    18. Februar 2016 at 14:26

    Werter Herr Vater, ich mache mir um meine Beine im Himmel keine Sorgen. Ich hoffe auf kräftige Flügel!

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