Kapitel 3 – Was tun?

Der erste Schritt war getan. Wurde nicht gesagt, dass eben dieser erste Schritt der schwierigste sein sollte? Ich dagegen fand diesen ersten Schritt  gar nicht so außergewöhnlich. Gut, es war jetzt kein Riesenschritt, eher ein Schrittchen. Aber wie war das nochmal mit dem kleinen Schritt für einen Menschen und einem großen für die Menschheit? Ob ich größenwahnsinnig war? Vielleicht, ein bisschen. Habe ich diesen Ort durch diesen kleinen Schritt nicht gewaltig verändert? Wer weiß, vielleicht war noch nie ein Mensch zuvor hier. Ich stellt mir vor was es hier alles für die Wissenschaft zu entdecken gab? Wäre es nicht extrem cool, wenn dieser Platz später nach seinem Entdecker, mir, benannt werden würde?

Ok, es war ein winziger Schritt, ein leichtes Voranschieben meines rechten Fußes, ein vorsichtiges Vorantasten.

Es gab aber auch so viel abzuwägen. In welche Richtung sollte ich gehen? Ich hatte doch gar keinen Plan für diesen Tag. Diese plötzlich gewonnene Freiheit hatte ich nicht in meinem Kalender stehen. Ich hatte keine Zeit Vorbereitungen zu treffen.

Und noch eine Frage stellte sich mir. Wie sollte ich gehen? Wäre es vorteilhafter mich zu beeilen, oder sollte ich ganz entspannt schlendern, die Hände lässig in der Hosentasche vergraben, oder sie einfach ganz natürlich seitlich pendeln lassen? Was, wenn mich jemand beobachtete. Die Wahrscheinlichkeit war ziemlich groß. Ich stand alleine in der Mitte eines riesigen Platzes. Alle, die sich um diesen Platz herum aufhielten waren in der Lage mich zu sehen. Ach, was sage ich da? Sie mussten mich sehen. Was mochten sie denken. Was würden sie in mir sehen. Kam ich männlich genug rüber? Wirkte ich entschlossen, oder zögerlich?

Und was hatte ich überhaupt an? Immer noch die Klamotten von heute Morgen? Hoffentlich keine Pantoffeln. Das sähe  ja total bescheuert aus. Mit Pantoffeln in der Stadt. Das machten doch nur alte Männer und auch nur solche, die aus dem Altenheim ausgebüxt waren. Kein normaler, erwachsener Mann bei Verstand würde auf die Idee kommen mit Pantoffeln in die Stadt zu gehen. Ich blickte so vorsichtig und lässig es nur ging an mir herab. Es musste ja keiner direkt sehen, was sich alles in meinem Kopf abspielte. Glück gehabt. Keine Pantoffeln, ganz normale Straßenschuhe, dazu Jeans und mein Lieblingsfreizeithemd, sauber, aber nicht büromäßig spießig.

Ok, ich blieb doch noch einmal stehen. Lieber noch einmal die Optionen durchgehen und mir einen Plan für den Tag machen. Man bekommt als Mann heutzutage nur selten die Chance sich für einen Tag frei zu bewegen, als Ehemann schon gar nicht und als Familienvater war es schon fast unanständig.

Welche Möglichkeiten standen mir zur Verfügung? Fitness Center, Kaufhaus, Straßencafé und Park. Alle vier Orte waren verlockend. Alle hatten ihren Charme und konnten dazu dienen meine oft ungestillten Bedürfnisse zu befriedigen. Fitness Center, Kaufhaus, Straßencafé, Park. Mangelnde körperliche Betätigung, fehlendes, störungsfreies Stöbern in der Elektroabteilung, einmal mehr als zwei Seiten in einem Buch lesen, einfach nur still auf einer Parkbank sitzen und Menschen beobachten. Was sollte es werden?

Es sah so aus, als ob ich diesen Tag hier wirklich genießen könnte. Es war alles da, was ich brauchte. Es war fast schon zu viel da und ich musste schwerwiegende Entscheidungen treffen, Bedürfnisse priorisieren und abwägen, was mir an diesem Tag wichtiger wäre. Vor allem aber waren einige Dinge nicht da, die ich im Moment so gar nicht um mich haben wollte. Familie, Nachbarn und Kollegen. Alles was mit Arbeit und Stress zu tun hatte war von mir genommen worden.

So langsam begann sich ein Plan vor meinem geistigen Auge abzuzeichnen.

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