Die Tasse

Kaffeetasse auf Küchenarbeitsplatte

Die Tasse

Die Tasse steht alleine auf der Küchenplatte, direkt neben der Spüle. In der Nähe befinden sich nur noch zwei Sonnenblumen, von Kinderhand liebevoll gepflanzt und ein Thermomix älteren Baujahrs. Weit und breit sind keine anderen Tassen zu sehen, auch keine Gläser oder Becher. Sie fühlt sich einsam und verlassen.

Sicherlich, sie hatte einen erfüllten Morgen, wurde gebraucht, war wichtig für einen Menschen, der aus ihr seinen Morgenkaffee zu sich genommen hat. Ein letzter Rest Kaffee auf ihrem Boden gibt Zeugnis davon. Der Start in den Tag war also gut. Sie hatte sich gefreut, dass sie ausgewählt wurde und nicht eine ihrer Nachbarinnen, die direkt neben ihr an einem Haken über dem Brotkasten hängen. Sie war die Glückliche, die die wohligen Wärme des warmen Kaffees genießen durfte, den Duft in sich aufsaugen konnte, die warmen Hände spüren, die sie umfassten, die weichen Lippen, die ihren Rand umschlossen. Sie war in Gemeinschaft mit einem Frühstücksteller, der auch seiner Bestimmung gemäß benutzt wurde. Es lag ein Frühstücksbrot auf ihm und er machte einen zufriedenen Eindruck. Im Raum war es warm und ruhig. Erste Sonnenstrahlen tauchten die Szenerie in ein gemütliches und fröhliches Licht. Es war perfekt. Für diesen Moment wurde die Tasse gefertigt und diese Momente waren es, die sich tief in ihr Gedächtnis gebrannt haben. Von diesen Momenten zehrten sie, wenn sie gerade nicht in Benutzung war.

So wie jetzt, wo sie alleine und verlassen auf der Küchenplatte steht, umgeben nur von Sonnenblumen und einem Thermomix. Warum steht sie dort alleine? Wo ist der Frühstücksteller? Warum hat man sie nicht zu dem anderen Geschirr in die Spülmaschine gestellt, dort wo sie bald gereinigt werden würde, damit sie wieder bereit sei für einen neuen Morgen mit Sonne, Kaffee und ihren Freunden vom Frühstücksgeschirr? So viele Fragen, so wenige Antworten. Wie lieblos es doch ist, sie dort alleine stehen zu lassen.

Liebe Menschen. Bitte. Wenn ihr eurer Tasse eine Freude machen wollt, dann benutzt sie. Füllt sie mit wohl duftendem Kaffee aus fairer und ökologisch nachhaltiger Produktion. Trinkt daraus, als ob es euer letzter wäre. Und wenn ihr ausgetrunken habt, dann spült die Tasse oder stellt sie in die Spülmaschine. Und wenn sie wieder gereinigt ist, dann stellt sie zurück an ihren angestammten Platz, dort, wo ihre Freunde sind und wo sie sehnsüchtig auf euch wartet, dass ihr sie wieder in die Hand nehmt und gemeinsam eine schöne Zeit vebringt. Ihr werdet es nicht bereuen. Sie wird es euch danken.

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