Der Rasenmäher

Der Rasenmäher

Der Rasenmäher

Der Rasenmäher ist der wahre Verlierer des Frühlings.

Es ist nicht der Herbst, der den Menschen die lang ersehnte Abkühlung nach einem heißen und stickigen Sommer beschert, die Bäume leuchtend rot einfärbt und mit seinem kräftigen Wind die Gedanken wieder auf Vordermann bringt. Es ist auch nicht der Winter, der zu Beginn noch so romantisch daher kommt, mit den Lichtern des Weihnachtsfestes, dem Puderzuckerbelag auf den abgeernteten Feldern, dem wohligen Prasseln des Feuers im Kamin und dem guten Buch, in eine warme Decke gehüllt auf der Couch.

Nein, der Verlierer des Frühlings ist der Rasenmäher.

Ein halbes Jahr hat er, gut gereinigt, in der Garage oder dem Geräteschuppen seines Doppelhaushälftenbesitzers gewartet und gehofft, dass die Temperaturen wieder steigen und die Sonne die Wolken verscheuchen möge, damit sie ihre Kraft beweisen kann und die Grasbüschel im Garten animiert sich ihr entgegen zu strecken und zu wachsen. Dann, in den ersten Tagen des noch jungen Frühlings würde seine Zeit kommen. Er würde aus seinem Winterschlaf geweckt werden und seiner Bestimmung gemäß, in immer gleichen Bahnen über die Grünfläche seines Gartens geschoben und könnte seine Arbeit tun, das Gras kurz zu schneiden.

Sicher, dieser Moment ist es, auf den er so lange Zeit gewartet hat. Ruhig. Geduldig. Voller Vorfreude. Und dann, wenn es endlich soweit ist, er den Strom fühlt, der durch seien Motor fährt, sich langsam das Schneideblatt zu drehen anfängt und er die ersten Grashalme unter sich zu fassen bekommt, dann fühlt er wie das Leben zurück kehrt in die Welt, die so lange geruht und mit ihrer schneidenden Kälte die Menschen in dicke Mäntel und überheizte Häuser gezwungen hatte. Und er darf ein Teil dieses Erwachens sein. Ach was, ein Teil. Er ist das Symbol für das Ende von Dunkelheit und Kälte. Sein sonores Brummen ruft es hinaus, bis in die letzten Winkel der Siedlung. Endlich. Es ist wieder Zeit aus der Isolation zu kommen und die Welt um sich herum in Besitz zu nehmen. Es ist wieder Zeit sich auf den Straßen zu begegnen und ein Eis schleckend das Ende der verhüllten Körper zu feiern.

Und doch währt dieses Glücksgefühl des Rasenmähers nicht lange. Schnell wird ihm bewusst, dass die grüne Fläche, über die er von seinem Besitzer geschoben wird kein gut gepflegter englischer Rasen, sondern lehmig feucht, und von Moos, Klee und Löwenzahn durchzogen ist. Er merkt wie beschwerlich es ist sich einen Weg über den unebenen Rasen zu bahnen und mit welchem Missmut sein Lenker ihn monoton vor sich hin schiebt. In Wirklichkeit ist er sehr einsam, der Rasenmäher und nicht wirklich geliebt. Und so weicht die anfängliche Euphorie einer Tristesse, die selbst der blauste Himmel und das schönste Zwitschern der Vögel nicht aufwiegen können.

Und so wird aus dem Rasenmäher der wahre Verlierer des Frühlings.

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